31. März 2003, 12:01
Aktueller Trend in Deutschland/Europa: Günstig bewertete Titel kaufen.
Die deutschen Standardwerte erwischten am letzten Freitag einen schlechten Tag. Schlechte Nachrichten im Golfkonflikt und sinkende Aktienkurse der Versicherungskonzerne hatten in Frankfurt die Stimmung eingetrübt. Vor dem Wochenende hielten sich die Marktakteure mit neuen Aufträgen zurück. Der Dax-Index fiel um 2,45 % auf 2.520,84 Punkte.
Die Münchener Rück brach um 12,39 % auf 59,12 Euro ein. Damit hatte die Aktie binnen Wochenfrist mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Einige Analystenhäuser stuften den Wert herunter. Sie sorgten sich zunehmend über die geringe Kapitalbasis des Konzerns. Zuvor hatte Mitte letzter Woche das Ratingunternehmen Standard &Poor's die Anleihen des Rückversicherers herabgestuft.
Der Touristikkonzern TUI verlor um 7,08 % auf 9,05 Euro. Beobachter befürchteten, dass die Haushalte in diesem Sommer seltener und weiniger weit reisen würden. Der Irakkrieg und die lebensgefährliche Viruserkrankung SARS dürfte sie davon abhalten, in den mittleren und fernen Osten zu fliegen.
Der Handelskonzern Metro verbilligte sich um 1,8 % auf 20,16 Euro. Investoren vermuteten, dass sich die Konsumnachfrage schwach entwickeln werde. Vertrauen der deutschen Verbraucher verharrte auf dem niedrigsten Stand seit acht Jahren. Zudem erwarten sie, dass die deutsche Arbeitslosigkeit im März so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung ausfallen werde. Die Zahlen werden am nächsten Freitag veröffentlicht.
Aktueller Trend TecDax: Günstig bewertete, solide Werte kaufen.
Die deutschen Technologiewerte legten zum Wochenschluss ebenfalls eine dürftige Kursentwicklung hin. Der TecDax fiel um 0,5 % auf 338,76 Zähler. Händler zeigten sich verunsichert, wie der Irakkrieg weiter verlaufen werde. Nach anfänglichen Erfolgen der amerikageführten Koalition war der Vormarsch in der letzten Woche ins Stocken geraten.
Kontron Embedded, ein führender Hersteller von Miniaturcomputern, rutschte um 2,1 % auf 2,79 Euro nach unten. Das Unternehmen hatte für das vergangene Jahr einen deutlichen Gewinneinbruch gemeldet. Zudem gab das Unternehmen einen verhaltenen Ausblick. Die Nachfrage werde eher mäßig wachsen.
Der Internetzugangsdienst Freenet legte um 12,3 % auf 16,95 Euro zu. Zuvor hatte der Thorsten Grenz, Vorstandsvorsitzender des Mutterunternehmens MobilCom, mitgeteilt, dass er den Anteil von 77 % an Freenet nicht verkaufen wolle. MobilCom ist der größte Aktionär von Freenet.
Aktueller Trend in USA: Günstig bewertete Titel kaufen.
In den USA tauchten am vergangenen Freitag mäßige Konjunkturdaten auf. Außerdem befürchteten die Anleger, dass der Irakkrieg länger als erwartet dauern werde. US-Militärs hatten angedeutet, dass im Irak weitere 100.000 Soldaten eingesetzt werden. Die neuen Truppen würden jedoch erst bis Ende April aufmarschiert sein. Anleger wiesen darauf hin, dass durch den längeren Krieg die Kosten deutlich anstiegen und die Unsicherheit nicht beseitigt werden würde. Der Dow-Jones-Index sank um 0,7 % auf 8.145,77 Stellen.
Corning, der weltweit größte Produzent von Glasfaserkabeln, stemmte sich gegen den Markttrend und gewann leicht um 0,3 % auf 6,00 US-Dollar hinzu. Das Unternehmen hatte sich zuvor mit asbestgeschädigten Klägern auf konkrete Ausgleichszahlungen geeinigt. Laut Corning werde dies den Gewinn im ersten Quartal um 200 Mio. US-Dollar belasten.
Die Nahrungsmittelhersteller Sara Lee und ConGra Foods verbuchten Kursverluste. Sara Lee verbilligte sich um 5,9 % auf 18,69 US-Dollar. Konkurrent ConGra Foods gab um 8,5 % auf 19,65 US-Dollar nach. Das Wall Street Journal hatte berichtet, dass sie sich mit der niederländischen Supermarktkette Ahold auf Rabatte geeinigt hatten. Vor einigen Wochen hatten Ratingunternehmen die Rabattpraktiken von Ahold kritisiert.
Am Rentenmarkt notierten die richtungsweisenden Staatsanleihen mit dreißig Jahren Laufzeit erneut um 7/32 höher bei 106 27/32. Damit betrug die Rendite 4,92 %.
Aktueller Trend in Asien/Japan: Untergewichten.
In Tokio drückten enttäuschende Konjunkturdaten die Aktienkurse ebenfalls in den Keller. Die Industrieproduktion war im Vergleich zum Vorjahr überraschend deutlich gesunken. Zudem sorgten sich die Investoren, dass die Nachfrage der amerikanischen Haushalte durch den Irakkrieg gedämpft werden könnte. Der Nikkei-225-Index sackte um 3,7 % auf 7.972,71 Punkte ab. Das bedeutete gleichzeitig den größten Kursverfall innerhalb der letzten fünf Monate.
Das Wirtschaftministerium hatte bekannt gegeben, dass die Industrieproduktion im Februar um 1,7 % im Vergleich zum Vormonat gefallen sei. Beobachter hatten erwartet, dass die Industrie lediglich 0,8 % weniger hergestellt habe. Sie wiesen darauf hin, dass der zarte japanische Wirtschaftsaufschwung der letzten Monate bereits beendet sein könnte.
Auf Grund der schwachen Industrieproduktion verkauften Investoren Aktien von Maschinenbauunternehmen. Tokyo Electron, der weltweit zweitgrößte Halbleiterzulieferer, fiel um 4,3 % auf 4.640 Yen. Advantest, ein weiteres wichtiges Unternehmen der Halbleiterbranche, verlor um 3,9 % auf 4.220 Yen.
Der Telekommunikationsausrüster NEC verbilligte sich um 6,7 % auf 391 Yen. Beobachter befürchteten, dass NEC sein Eigenkapital erhöhen könnte. Durch die Ausgabe junger Aktien bestünde die Gefahr, dass der Wert der bisherigen Aktien verwässert werde. Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende Akinobu Kanasugi angedeutet, dass NEC zusätzliche Aktien emittieren könnte. Es gebe jedoch noch andere Möglichkeiten, die Kapitalbasis zu stärken.
Aktueller Trend Bond-Märkte: Zinsen steigen.
Aktueller Trend Devisen: kurzfristig seitwärts, mittelfristig fallend.
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