16. Oktober 2009, 12:49
Im Juli kündigte S&P an, nicht vor Ende September die überarbeitete Rating-
Methodik zu veröffentlichen. Der Text liegt noch immer nicht vor, aber wir vermuten,
dass S&P ihn bald liefern wird. Da bereits im Februar ein erster Entwurf (der zu vielen
Downgrades geführt hätte) von vielen kräftigst kritisiert wurde, kann man gespannt
sein, wie sich die Agentur nun verhält. Die Zwickmühle für S&P ist groß,
unsere Ansprüche sind jedoch klein: Sofern die insolvenzrechtliche Reihenfolge
gewahrt bleibt, die Covered Bonds besser als unbesicherte Verbindlichkeiten bewertet
werden und die Begründung, die zu den Ratings führt, gut durchdacht ist, werden
wir nichts einwenden. Covered Bonds sollten ein hohes, aber nicht zwingend das
höchste Rating haben-genau wie die Ratings der Eurozone-Staatsanleihen.
Die hohen Ansprüche vieler Marktteilnehmer gemäß dem Motto „nur ein AAA ist ein
gutes Covered Bond Rating“ wurden allerdings von der Agentur im November 1996
selbst geweckt. Damals entschlossen sich die S&P-Analysten Hessol, Haferkorn und
Zlotnik, neue Kriterien einzuführen, die die Überdeckung als mathematische Variable
für das höchste Rating formulierte. Einfach zusammengefasst: Eine Bank konnte für
ihre Pfandbriefe mehr als zwei Stufen bessere Ratings bekommen, sobald die Überdeckung
eine bestimmte Höhe erreichte. Bei einer öffentlichen Deckung mit deutschen
Darlehen reichten damals 3 % Überdeckung aus. Bei Hypothekenpfandbriefen
war die Überdeckung nicht zu pauschalieren. Sofort sicherten sich so die Hypo Essen
(damals „AA-“ für unbesicherte Anleihen) und die Bayerische Vereinsbank (damals
nicht von S&P geratet) ein „AAA“ für öffentliche Pfandbriefe. Im Jahr 1997 bekamen
die AHB, die Dexia Berlin, die Westhyp und die Wüstenrot ein „AAA“ für öffentliche
Pfandbriefe. Die 3-Prozent-Überdeckungsregel war damals das erste „strukturelle
Feature“ im Pfandbrief. Viele weitere wurden in den nächsten 12 Jahren eingeführt
und bis zur Unverständlichkeit (siehe auch „Der Markt heute“ vom
08.10.2009) in Covered Bond Programme aufgenommen. Die Anreize, entweder
durch ein neues „strukturelles Feature“ oder durch höhere Überdeckung immer wieder
zu einem „Dreifach-A“ zu kommen, können u. E. aber nicht unendlich funktionieren
-genau wie jede andere Hebelwirkung im Kapitalmarkt. Wir hoffen in Zukunft auf
Covered Bond Programme mit geringer oder mittlerer Komplexität, die gut zu verstehen
sind und für die z. B. schon das zweit- oder dritthöchste Rating ein besonderes
Qualitätsmerkmal bedeutet. Hoffentlich gelingt es der Agentur, dies mit guten Schriften
zu vermitteln.
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